Geschichte der Marktegemeinde LangenwangOrtsname und Lage

Die in der Talsohle gelegene Ortschaft Langenwang enthält bereits in der Silbe "wang" ihres Namens den Hinweis auf jene freundliche und gut bewohnbare Landschaft. Das Wort "wang" bezeichnet im Althochdeutschen eine "an einem Hang gelegene Wiese", aber auch "Au, liebliches Gefilde", ja im Gotischen geradezu "Paradies".

Langenwang - 1232 erstmals urkundlich genannt - bedeutet also die lange, sanft geneigte Wiese. Als Besonders siedlungsfreundlich erwiesen sich die von den südlichen Nebenflüssen der Mürz gebildeten Schwemmkegel, die den ersten Siedlern hochwassersicheren Lebensraum boten.

Die Marktgemeinde Langenwang liegt im obersteirischen Mürztal, und umfaßt die Katastralgemeinden Langenwang, Langenwang-Schwöbing, Feistritzberg, Hönigsberg, Lechen, Mitterberg, Pretul und Traibach. Die Gemeindefläche von 7605 ha bewohnen 4182 Einwohner. 99,2% davon sind im Jahre 1997 Österreicher; der Rest besaß die deutsche, türkische, jugoslawische (1991) oder andere Staatsbürgerschaft.

Entwicklung und Besiedlung

Die erste nachweisbare Erschließung des Mürztales und der angrenzenden Gebiete fällt in die Zeit der Lasinja - Kultur im vierten Jahrtausend vor Christus.

In der Bronzezeit lag unser Landstrich durchaus nicht fernab der europäischen Entwicklung wie Funde aus Wartberg, Krieglach und Mürzzuschlag beweisen. Beim Straßenbau in Langenwang fand man 1981 eine bronzezeitliche Lochhalsnadel. Sehr spärlich sind Funde aus der Eisenzeit. Aus der römischen Epoche sind Einzelfunde unter anderem auch aus dem Raum Langenwang bekannt. Nach dem vierten Jahrhundert versiegen die archäologischen Quellen für Jahrhunderte. Das Eindringen der Alpenslawen (um 600) ins Mürztal bezeugen zahlreiche Flur- und Gewässernamen wie Feistritz, Freßnitz, Fröschnitz und andere.

Aus dem Bereich der Gemeinde Langenwang ist aus Urkunden der Jahre 1430 und 1499 ein Acker "under den grebern" bekannt. Dabei handelt es sich bei diesen "grebern" aus Langenwang sicher um Grabhügel (Tumuli) aus der Eisenzeit von 700 v.Chr. bis Christi Geburt. An die slawische Besiedlung erinnern etwa folgende Namen: Fluß Mürz von Muorza = kleine Mur, Glowokengraben = tiefes Tal, die Loosäcker = baumfreie Fläche, Neuland, Pretul = Zwischental, Gehöft Lammer = Windbruch, Pichelwang = Birkenwang. Der Anteil slawischer Namensformen im Ortsbereich von Langenwang ist jedoch gering und dürfte im Bereich 1:15 liegen.

Um 800 werden von weltlichen und geistlichen Grundherren bairische Siedler ins Land gerufen, die den großteils versumpften Talboden urbar machten. Die Orte in der Talsohle tragen daher deutsche Namen wie auch Langenwang. Eine stärkere deutsche Siedlungswelle können wir im 11. und 12. Jahrhundet beobachten. Am Beginn des 12. Jahrhunderts ist auch Graf Waldo von Reun (= Rein bei Graz) der erste geschichtlich faßbare Grundherr im Raum Langenwang-Hohenwang.

Die Gründung Langenwangs fällt sehr Wahrscheinlich in die zweite Hälfte des 9. Jahrhunderts. Die 100 Meter über dem Talboden gelegene Festung Hohenwang hat um 1122 bestanden und wird 1222 urkundlich erwähnt. Hohenwang war schon bedeutender Herrensitz des Geschlechtes der Landsehre. Der Minnesänger Ulrich von Lichtenstein verweilte auf seiner Turnierfahrt 1240 hier und nennt in seinem "Frauendienst" das "hus zu Hohenwang". 1249 wird der Priester Heinrich als Vikar der Burgkapelle zu Hohenwang genannt. Erichinger III. von Hohenwang erscheint als erster steirischer Zeuge in jener Urkunde, die über die Belehnung der Söhne Rudolf I. von Habsburg mit Österreich und Steiermark 1282 berichtet. Das Geschlecht der Landesehre stirbt 1286 aus.

In der Folgezeit wirken mehrere Geschlechter als Burggrafen auf Hohenwang. Unter ihnen wird die Burg zum Mittelpunkt der Verwaltung, der niederen Gerichtsbarkeit und Verteidigung. Den Herrn von Landesehre folgen Stadecker und Montfort. Von 1490 bis 1838 besaßen die Grafen von Schärffenberg Hohenwang und Langenwang. Sie errichteten Ende des 18.Jahrhunderts Schloß Neu-Hohenwang im Tal, das auch ihr Wohnsitz wurde. Zur Herrschaft gehörten neben Wald- und Ackergründen auch eine Bierbrauerei, eine Brennerei, Hammerwerke, ein Eisenbergbau in Veitsch, ein Steinkohlenbergbau im Langenwanger Illachgraben und andere Liegenschaften. Als Untertanen zählten 333 Bauern.

Der Ort Langenwang

Das Dorf Langenwang zählte um 1440 29 Hofstätten, 7 behauste Güter, 2 bewohnte Mühlen, den Pfarrhof und das Haus des "Kübelwirtes" (heute Siglhof).

Die Kämpfe im Verlauf der Baumkircherfehde und die Folgen der Türkeneinfälle in die Steiermark brachten auch über Langenwang großes Leid. Not, Teuerung, Krankheiten und "Leibsteuer", die alle Bewohner über 12 Jahre erfaßte (1527) lasteten schwer auf der Bevölkerung. Zu dieser Zeit lebten auf 68 Gehöften 216 Familienmitglieder und 26 Dienstboten. An Handwerkern wurden 3 Schuster, 2 Weber, 2 Müller, und je ein Fleischer, Seiler, Schneider, Schmied, Wagner, Säumer und Klampferer verzeichnet. Besondere Beachtung verdient die Nennung des Schulmeisters auf Hohenwang. Ein bei der Pfarre Langenwang tätiger Schulmeister wird erst 1579 genannt. Auch das 16. und 17. Jahrhundert brachten Inflation, Not und Türkengefahr. Im Dreißigjährigen Krieg waren in Langenwang und Pichlwang Truppen einquartiert und Musterungen wurden abgehalten.

Allen Unbilden zum Trotz wuchs die Zahl der Bewohner und erreichte 1770 2039 Seelen. Bei weiteren Zählungen wurden 1782 2054 und im Jahre 1812 nur 1704 Personen festgestellt. Dieser schwere Menschenverlust in der Pfarre in den letzten 30 Jahren ist auf die Franzosenkriege 1792 - 1813 und auf Seuchen zurückzuführen. Erst im Jahre 1837 zählte man wieder 2010 Einwohner.

Im Jahre 1844 wurde die Bahnlinie Mürzzuschlag - Graz feierlich eröffnet und der Bahnhof fertiggestellt. Im Jahr darauf folgte die Errichtung eines Postamtes, das 1883 auch den Postspardienst und 1897 die Zustellung der Post durch Landbriefträger aufnahm. Die Aufhebung der Grundherrschaften brachte eine neue Ordnung der Verwaltung: Langenwang gehörte fortan zum Gerichts- und Steuerbezirk Mürzzuschlag; die Schaffung der Ortsgemeinde als autonome Körperschaft wird 1849 eingeleitet und durch Gesetz 1850 festgelegt. Die Gemeinde zählte damals 2350 Einwohner. Ihr erster Bürgermeister war Herr Josef Panhofer. Von 1985 bis 2006 stand Hans Kraus an der Spitze der Gemeindevertretung. 2006 bis 2011 folgte ihm Maximilian Haberl. Seit November 2011 ist Rudolf Hofbauer Bürgermeister. Das kulturelle Leben wird in Einzelheiten erst seit dem 19. Jahrhundert faßbar und die Träger dieser Aktivitäten sind bis heute schon Jahrzehnte wirkende Vereine. Handel, Gewerbe und Industrie blühten im 19. und am Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Braunkohlebergbau im Illachgraben und der Manganerz-Abbau am Lerchkogel erlebten eine vorübergehende Blütezeit.

Die Kirche St. Andreas ist das älteste Gebäude in Langenwang. Aus der romantischen Bauperiode des 13. Jahrhunderts stammt die Grundform des Kirchturmes und aus dem 14. Jahrhundert der frühgotische Chor mit 5/8 Schluß. Beim Umbau 1493 bis 1496 erhielt die Kirche ihr heutiges Aussehen. Netzrippen- und Sternrippengewölbe spannen sich über Haupt- und Seitenschiffe. Fresken schmücken Chor und Gewölbe . Die Renaissance - Grabmäler derSchärffenberger bereichern den Innenraum.

Das Schulwesen in Langenwang geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1579 ist von einem "Schulmeister" die Rede. Nach der Einführung der Schulpflicht erhält der Ort sein erstes Schulhaus. Die wachsende Schülerzahl erfordert später die Errichtung neuer Schulgebäude. Seit 1930 besitzt der Ort auch eine Hauptschule.

Heute präsendiert sich Langenwang als "steirische Modellgemeinde für Ortserneuerung" mit ansprechendem Ortsbild, starker öffentlicher und privater bautätigkeit sowie industrieller Neugründungen. Dem Sommer- und Wintergast bietet sich der Ort als Ausgangspunkt für Wanderungen und Ausflüge an. Mariazell, das Semmeringgebiet und die Waldheimat Peter Roseggers sind leicht erreichbar. Zwei Reitställe und ein Sommer- und Wintercampingplatz stehen zur Verfügung. Der Naturpark in den Mürzauen westlich des Ortes bildet einen besonderen Anziehungspunkt. Die Verbesserung der Infrastruktur brachte die Ansiedlung von 40 Gewerbebetrieben mit 498 Arbeitsplätzen in den letzten 10 Jahren mit sich. Intensiver Wohnbau machte die Ansiedlung insbesonders junger Familien möglich.

Kulturschaffende der Gemeinde sind die Schriftsteller

Hans Heidenbauer, Prof. Karl Schulhofer, Dr. Karl Panzenbeck, Mauricette Saint-Genois, der Bildhauer Thomas Fankl, der Maler Karl John, der Zeichner und Maler Karl Hofmaier, die Malerin und Bildhauerin Renate Mellert, der Maler Walter Königshofer, der Sohn des Dichters Peter Rosegger der Arzt und Komponist Dr. Sepp Rosegger und der Komponist und Dichter Franz Schöggl

Das Gesamtwerk: "Die Geschichte der Marktgemeinde Langenwang" können Sie bei der Gemeinde Langenwang käuflich zum Preis von € 40,- erwerben.

Literatur:
Othmar Pickl - Gerhard Wresounig, Die Geschichte der Marktgemeinde Langenwang, Langenwang 1997